Wie finde ich die richtige Lerntherapeutin bzw. den richtigen Lerntherapeuten für mein Kind?
Ein Leitfaden für die wichtigsten Fragen, die sich Eltern stellen
„Wo finde ich überhaupt jemanden, der wirklich geeignet ist?“ Eltern googeln, fragen im Bekanntenkreis, lesen Bewertungen, und stehen am Ende oft vor einer Liste von Namen, ohne wirklich einschätzen zu können, wer davon gut zu ihrem Kind passt.
Das ist verständlich. Eine Lerntherapeutin oder ein Lerntherapeut ist kein geschützter Berufstitel wie Ärztin, Psychologin oder Psychotherapeut. Das bedeutet, die Qualität der Ausbildung und der Arbeitsweise kann sehr unterschiedlich sein, auch wenn auf der Website überall „(Dipl.) Legasthenietrainer:in“ oder „(Dipl.) Dyskalkulietrainer:in“ steht.
In diesem Artikel beantworte ich Ihnen die Fragen, die mir Eltern am häufigsten stellen, praxisnah, ohne Fachjargon, und mit konkreten Kriterien, an denen Sie sich orientieren können.
„Reicht nicht auch ganz normale Nachhilfe?“
Eine berechtigte Frage, denn Nachhilfe ist oft günstiger und leichter verfügbar. Der Unterschied liegt im Ansatz: Klassische Nachhilfe wiederholt meist den Schulstoff, in der Hoffnung, dass mehr Übung zu besseren Ergebnissen führt.
Wenn Ihr Kind aber grundlegende Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen hat, die über eine normale Lernschwäche hinausgehen, reicht reine Wiederholung oft nicht aus. Hier braucht es jemanden, der versteht, wo genau die Schwierigkeit liegt, und der die Förderung gezielt dort ansetzt.
„Worauf sollte ich bei der Ausbildung achten?“
Diese Frage ist zentral, und die Antwort ist einfacher, als es zunächst scheint. Achten Sie auf zwei Dinge:
Eine pädagogische oder psychologische Grundausbildung
Eine gute Lerntherapeutin oder ein guter Lerntherapeut bringt im Idealfall eine fundierte pädagogische oder psychologische Grundausbildung mit, zum Beispiel als Lehrperson, Psychologin oder Psychologe. Diese Grundlage ist wichtig, weil sie das Verständnis dafür schafft, wie Kinder grundsätzlich lernen, welche Entwicklungsschritte normal sind und wo eine spezifische Schwierigkeit beginnt, und wie Lerninhalte kindgerecht vermittelt werden können. Ohne dieses Fundament fehlt oft der Blick für das große Ganze.
Eine spezialisierte Zusatzausbildung
Darauf aufbauend braucht es eine anerkannte Zusatzqualifikation speziell für Legasthenie und/oder Dyskalkulie. Diese vermittelt das spezifische Fachwissen über Lese-, Rechtschreib- und Rechenprozesse, das eine allgemeine pädagogische Ausbildung allein nicht abdeckt.
Die Kombination aus beidem, also pädagogisches Grundverständnis plus spezialisiertes Fachwissen, macht den entscheidenden Unterschied in der Qualität der Förderung aus.
„Was bedeutet ’symptomorientiert‘, und warum ist das wichtig?“
Dieser Begriff klingt zunächst technisch, steckt aber dahinter ein sehr praktisches Prinzip: Die Förderung setzt direkt dort an, wo die Schwierigkeit liegt. Hat Ihr Kind Probleme beim Rechnen, wird gezielt am Rechnen gearbeitet, am Zahlenverständnis, an Rechenstrategien, am Üben konkreter Aufgabentypen.
Das mag selbstverständlich klingen, ist es in der Praxis aber nicht immer. Manche Angebote setzen stattdessen bei allgemeinen Übungen an, die nicht direkt mit Lesen, Schreiben oder Rechnen zu tun haben, etwa reine Konzentrations- oder Wahrnehmungsübungen, wie akustische Differenzierung oder Raumorientierung. Diese wirken sich positiv auf den entsprechenden Teilleistungsbereich aus, sie verbessern allerdings nicht die Lese-, Rechtschreib- oder Rechenfertigkeiten (dazu gibt es wissenschaftliche Studien).
Eine einfache Frage, die Sie stellen können: „Worauf liegt der Schwerpunkt der Förderung?“ Eine seriöse Fachperson wird sich hier auf das Lesen, Schreiben und/oder Rechnen beziehen.
Die wichtigsten Qualitätsmerkmale auf einen Blick
| Worauf achten | Warum das wichtig ist |
|---|---|
| Pädagogische oder psychologische Grundausbildung | Versteht, wie Kinder lernen, wo Entwicklung normal verläuft und wo es spezifische Schwierigkeiten gibt. |
| Zusatzqualifikation in Legasthenie-/Dyskalkulietherapie | Bringt spezifisches Fachwissen zu Lese-, Rechtschreib- und Rechenprozessen mit. |
| Symptomorientiertes Vorgehen | Setzt direkt beim Lesen, Schreiben oder Rechnen an, nicht bei abstrakten Wahrnehmungsübungen. |
| Individuelle Anpassung | Stimmt die Förderung auf die konkreten Schwierigkeiten Ihres Kindes ab, statt ein starres Programm abzuspulen. |
| Transparente Kommunikation | Erklärt Ihnen verständlich, woran gerade gearbeitet wird und warum. |
„Wie läuft so eine Förderung überhaupt ab?“
Eine gute Förderung beginnt meist mit einem ausführlichen Erstgespräch, in dem Ihre Beobachtungen und die Ihres Kindes Platz haben. Anschließend folgt eine Einschätzung des aktuellen Standes, nicht zwingend ein langes Testverfahren, aber zumindest ein klares Bild davon, wo Ihr Kind steht und woran gearbeitet werden soll.
Die eigentliche Förderung erfolgt dann meist regelmäßig, oft einmal wöchentlich, in Einzel- oder Kleingruppensitzungen. Gute Fachpersonen geben Ihnen auch konkrete Hinweise für das Üben zu Hause, abgestimmt auf das, was gerade in der Förderung erarbeitet wird.
Checkliste: Qualitätsstandards für eine seriöse Förderung
Eine besonders verlässliche Orientierung bietet die Handreichung „Der schulische Umgang mit Lese-/Rechtschreibschwierigkeiten“ des Bildungsministeriums. Daraus lassen sich folgende Merkmale einer seriösen Förderung ableiten, die Sie bei der Auswahl prüfen können:
| ☐ | Merkmal einer seriösen Förderung |
|---|---|
| ☐ | Wurden zur Abklärung standardisierte Lese- und Rechtschreibtests eingesetzt? |
| ☐ | Es werden NICHT vorrangig basale Teilleistungen trainiert (z. B. Aufmerksamkeit, visuelle oder auditive Differenzierung, Raumwahrnehmung, Serialität). |
| ☐ | Der Schwerpunkt der Förderung liegt beim Lesen und Schreiben. |
| ☐ | Die durchschnittliche Dauer der Förderung wird realistisch mit mindestens 1 bis 2 Schuljahren beschrieben (kein Schnellheilungsversprechen). |
| ☐ | Die Förderung findet regelmäßig 1- bis 2-mal wöchentlich statt. |
| ☐ | Das Training wird von einer Person mit einem pädagogischen oder psychologischen Grundberuf sowie einer facheinschlägigen Zusatzausbildung durchgeführt. |
| ☐ | Es wird für das Kind ein individueller Therapieplan erstellt. |
| ☐ | Die Fortschritte des Kindes werden regelmäßig überprüft, der Therapieplan wird angepasst. |
| ☐ | Die Förderung findet im Einzelsetting oder in einer Kleingruppe statt. |
Diese Kriterien wurden ursprünglich für die Lese-Rechtschreibförderung formuliert, lassen sich aber sinngemäß auch auf die Dyskalkulietherapie übertragen: Auch hier sollte der Schwerpunkt klar beim Rechnen liegen, nicht bei isolierten Wahrnehmungs- oder Konzentrationsübungen.
Wenn Sie die meisten dieser Punkte mit Ja beantworten können, sind Sie bei einer fundierten und seriösen Förderung in guten Händen.
„Und wenn es einfach nicht passt?“
Nicht jede Fachperson passt zu jedem Kind, und das ist in Ordnung. Die Beziehung zwischen Kind und Therapeutin oder Therapeut ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. Wenn Ihr Kind sich nach mehreren Sitzungen weiterhin unwohl fühlt oder sich verweigert, sprechen Sie das offen an. Ein Wechsel ist kein Scheitern, sondern manchmal einfach der richtige Schritt.
Meine Mini-Kurse: Starten statt warten
Wenn Sie aktuell noch auf einen passenden Therapieplatz warten müssen, bieten meine Online-Mini-Kurse einen guten, wissenschaftlich fundierten Einstieg, sodass Sie die Wartezeit bereits sinnvoll nützen können:
Häufigkeitswortschatz absichern

Weniger Rechtschreibfehler durch das sichere Abspeichern des Häufigkeitswortschatzes
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gerne RECHNEN lernen im Zahlenraum 20

Für den Einstieg zu Hause. Strukturierte, symptomorientierte Übungseinheiten für den Alltag, ideal, um erst einmal zu beobachten, wie Ihr Kind reagiert.
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gerne EINMALEINS lernen

Wenn die Automatisierung fehlt. Gezielte Strategien statt Auswendiglernen, gut geeignet als ergänzende häusliche Förderung.
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Fazit: Vertrauen Sie Ihrem Gefühl, aber mit klaren Kriterien
Die Suche nach der richtigen Lerntherapeutin oder dem richtigen Lerntherapeuten muss kein Glücksspiel sein. Mit den richtigen Fragen, dem Blick auf die Ausbildung und dem Verständnis, was symptomorientiertes Arbeiten bedeutet, treffen Sie eine fundierte Entscheidung, ohne selbst zur Fachperson werden zu müssen.
Am Ende zählt vor allem eines: Ihr Kind soll sich verstanden und sicher fühlen, während es genau dort Unterstützung bekommt, wo es sie braucht.
Herzlich,
Mag. Gerda Neumann
Klinische & Gesundheitspsychologin | Lerntherapeutin | gerne lernen